Pilze auf Holz mit Körnerbut züchten (Bohrlochm...

Pilze auf Holz mit Körnerbut züchten (Bohrlochmethode)

 

Das Anlegen einer Pilzzucht auf Holzstämmen mit Hilfe von Körnerbrut ist, je nach favorisierter Methode, etwas aufwändiger als mit Impfdübeln. Es gibt mehrere Methoden um Holzstämme zu beimpfen. Die verbreitetsten Impfmethoden sind die Schnittimpf- und die Bohrlochmethode. Unsere Empfehlung ist ganz klar die Bohrlochmethode, welche nur unwesentlich aufwändiger als eine Beimpfung mit Impfdübeln ist. Mit Körnerbrut beimpfte Holzstämme (Bohrlochmethode) durchwachsen wesentlich schneller im Vergleich zu Impfdübel und können, bei zeitiger Anlage und je nach Pilzart, bereits im selben Jahr die ersten Pilze hervorbringen.

 

Kurzanleitung und Checkliste

 

Notwendiges Material

  • Körnerbrut
  • Holz/Forstnerbohrer (Ø min. 20 mm)
  • Akkuschrauber, Bohrmaschine oder Handbohrer
  • Passender Stössel zum verdichten
  • Korken, Wachs, Klebeband
  • Frischhaltefolie/Plastikfolie
  • Nagel oder Nagelrolle

 

Das richtige Holz

Die für die jeweilige Pilzart geeigneten Holzarten entnehmen Sie bitte den einzelnen Produktseiten oder den Pilzporträts. Grundsätzlich sind die meisten Laubhölzer wie Buche, Eiche, Pappel sowie praktisch alle Obstbaumarten geeignet. Nadelholz ist aufgrund des hohen Harzanteils für die Pilzzucht nicht geeignet.

Das Holz sollte frisch geschlagen sein und mindestens 8 Wochen gelagert werden, darf aber höchstens 6 Monate alt sein. Älteres Holz ist meist schon von Konkurenzpilzen besiedelt und dadurch für die Pilzzucht unbrauchbar.  Jüngeres Holz enthält noch viele pflanzliche Hemmstoffe, die erst durch die Lagerung abgebaut werden. Als zusätzlicher Schutz vor Austrocknung, sollte die Rinde großteilig unbeschädigt sein. Der optimale Stammdurchmesser beträgt ca. 10 - 30 cm (für den Shiitake sind 10 cm optimal). Holzstämme mit einem Durchmesser von unter 10 cm neigen zu einem schnellen Austrocknen und sollten nach Möglichkeit nicht verwendet werden.

Um eine optimale Holzfeuchtigkeit zu erreichen, sollte das Holz  vor dem beimpfen für 2 bis 3 Tage gewässert werden. Am besten gelingt dies, wenn das Holz in eine wassergefüllte Wanne oder Fass gelegt und mit einem Stein beschwert wird. Der Holzstamm sollte vollständig von dem Wasser umgeben werden. Nachdem das Holz gewässert wurde, muss dieses für ca. 3 Stunden abtropfen.

 

Das Holz richtig mit Pilzbrut beimpfen

1 L Körnerbrut ist ausreichend für ca. 2 - 3 Holzstämme mit je 30 cm Durchmesser und einer Länge von 50 cm. Bei Shiitake Hölzern mit ca. 10 cm Stammdurchmesser, reicht 1 L Körnerbrut für ca. 3 - 4 Holzstämme mit einer Länge von 100 cm.

Für je 50 cm Stammlänge werden 10 Löcher (Ø 20 mm), mit einigem Versatz, ringsum in das Holz gebohrt. Je gleichmäßiger die Löcher verteilt werden, desto besser und schneller durchwächst der Holzstamm. Es empfiehlt sich auch ein Loch auf jeder Schnittfläche zu beimpfen. Dadurch wird zuverlässig der Befall durch Fremdpilze verringert. Die Löcher sollten nicht tiefer als bis zur Mitte des Stammes gebohrt werden.

Bevor Sie die Körnerbrut verwenden, empfehlen wir Ihnen sich Ihre Hände gründlich mit Seife zu waschen. Eine Verwendung von Handdesinfektionsmitteln ist ebenfalls empfehlenswert, jedoch nicht unbedingt notwendig.  

Die Körnerbrut ist durch das Myzel fest zusammengewachsen und muss erst wieder vereinzelt werden. Dazu wird der Myzelblock in der Filtertüte von Hand zerdrückt, bis einzelnen Körner sichtbar werden. Diese Prozedur schadet dem Myzel nicht, auch wenn das oberflächliche Myzel verschwindet. Die einzelnen Körner sind so von Myzel durchsetzt, dass diese nach wenigen Tagen wieder vollständig bedeckt sind.

Die vereinzelte Körnerbrut wird in die vorgebohrten Löcher gefüllt und vorsichtig mit einem passenden Stössel leicht verdichtet. Die fertig befüllten Löcher werden entweder mit passenden Korken, Wachs oder mit durchsichtigem Klebeband verschlossen. Dies schützt die Impfstellen vor Austrocknung und Insektenbefall. Bei der Verwendung von durchsichtigem Klebeband, ist es später möglich das Myzelwachstum zu beobachten.

Anschließend kann der Stamm komplett mit haushaltsüblicher Klarsichtfolie eingewickelt werden, diese schützt den Stamm vor Austrocknung und schafft ein optimales Mikroklima für den Pilz. Die Folie wird ringsum mit einem Nagel oder einer Nagelrolle durchlöchert, um den Pilz mit ausreichend Luft zu versorgen. Als Richtwert werden in einen 50 cm langen Holzstamm etwa 50 Löcher eingestochen. Wem dies zu viel Arbeit ist, kann die Holzstämme auch unter einer Folie in der sog. Miete lagern. Dazu wird an einem schattigen Platz etwas Stroh auf dem Boden verteilt und die beimpften Holzstämme aufgestapelt. Lücken und Ritzen können ebenfalls mit Stroh ausgekleidet werden. Um die Miete vor zu viel Nässe zu schützen, wird eine Plastikfolie übergeworfen und mit Steinen ringsum fixiert.

 

Das Holz richtig Durchwachsen lassen (Phase 1)

Frisch beimpfte Holzstämme sind nicht Winterhart und benötigen einen frostfreien Lagerplatz. Die genauen Umgebungsbedingungen entnehmen Sie bitte ebenfalls den einzelnen Produktseiten oder den Pilzporträts.  Die Stämme sollten regemäßig, auf ausreichende Feuchtigkeit hin, überprüft werden. Temperaturen über 30 °C sollten vermieden werden, um das Pilzwachstum nicht zu hemmen. Je nach Pilzart, Temperatur und Körnerbrutmenge dauert es etwa 2 bis 4 Monate, bis die Holzstämme vollständig durch den Pilz kolonisiert werden. Vollständig kolonisierte Stämme, beimpft mit einheimischen Pilzarten, sind frostresistent und können ganzjährig im Garten aufgestellt werden.

 

Einleiten der Fruchtung (Phase 2)

Die Holzstämme sind vollständig kolonisiert, wenn an mehreren Stellen weißes Myzel hervor scheint. Je nach Lagerung wird die Frischhaltefolie vollständig entfernt oder die Holzstämme aus der Miete entnommen. Geeignete Plätze im Garten sind schattig und feuchten, ohne direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft. Die Holzstämme werden etwa zur Hälfte in den Boden eingebraben. Ausnahme sind Shiitake Hölzer, diese werden nicht eingegraben sondern aufrecht gegen einen Zaun oder eine Wand gestellt. Bei eingegrabenen Holzstämmen sollte die umliegende Erde mit Mulch oder geschreddertem Grünschnitt abgedeckt werden. Diese zusätzliche Schicht dient dem Myzel als weitere Nährstoffquelle und erdnah entstehenden Pilze sind frei von Erdresten.

 

Kurzanleitung:

Pilzzucht auf Holzstämmen mit Körnerbrut

 

Diese Kurzanleitung dient nur der Übersicht, bitte lesen Sie unbedingt die vollständige Anleitung für garantierten Erfolg.

Holzstamm beimpfen
  1  

 Geeignete Holzart auswählen (frisch geschlagen)

2

 Holzstamm 2-3 Tage wässern und abtropfen lassen

3

 Löcher (Ø 20 mm) ringsum in den Stamm bohren

4

 Körnerbrut in die Löcher einfüllen und leicht andrücken

5

 Löcher verschließen (Wachs, Korken, Klebeband)

6

 Stamm in Frischhaltefolie einwickeln/in Miete einlagern

7

 Löcher für ausreichend Frischluftzufuhr einstechen

8

 Stämme min. 4 Wochen frostfrei lagern

Fruchtung einleiten
9

 Schattigen und feuchten Platz im Garten aussuchen

10

 Stamm zur Hälfte eingraben (nicht bei Shiitake)

11

 Optional: Boden ringsum mit Mulch abdecken